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Zuckermoleküle speichern Wirkstoffe in Textilien | Chemikalien.de
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Zuckermoleküle speichern Wirkstoffe in Textilien

November 29, 2002 by admin 

2. Platz des Otto von Guericke-Preises 2002 der AiF

“Intelligente” Textilien werden in Zukunft als Depot für pharmazeutische Wirksubstanzen dienen. Verantwortlich für diesen Effekt sind Cyclodextrine - ringförmige Zuckermoleküle, die beim Abbau des Naturproduktes Stärke mit Hilfe von Enzymen gewonnen werden. Sie sind biologisch abbaubar, völlig ungiftig und können dauerhaft auf Natur- und Kunstfasern verankert werden. Jedes Molekül bildet einen Hohlraum und kann darin Substanzen aufnehmen, die eine Abneigung gegen Wasser haben. Diese hydrophoben Substanzen werden freigesetzt, wenn sie von Wassermolekülen verdrängt werden. Schon geringste Mengen Hautschweiß reichen aus, um eingelagerte Wirkstoffe zu aktivieren. Mit ihrer Forschung über Cyclodextrine belegen Dr. Hans-Jürgen Buschmann, Dr. Dierk Knittel und Professor Dr. Eckhard Schollmeyer vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West in Krefeld in die-sem Jahr den 2. Platz des Otto von Guericke-Preises, den die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen “Otto von Guericke” (AiF) alljährlich verleiht.


Ihre Speichereigenschaften haben die Cyclodextrine bereits auf Gardinen, Kleidung und Teddybären als Wirte für Düfte und Gerüche unter Beweis gestellt. Während sie eingelagerte Parfums abgeben, können sie gleichzeitig Schweiß einschließen, bevor er seinen unangenehmen Geruch verbreitet. Bei der nächsten Wäsche werden die Depots entleert und können, beispielsweise per Duftspray, wieder gefüllt werden.

Die Einsatzmöglichkeiten der Cyclodextrine für medizinische Anwendungen und Therapien sind besonders vielfältig. Die Einlagerung leicht flüchtiger Bestandteile des Schweißes eröff-net neue Möglichkeiten der medizinischen Diagnostik. Denkbar sind auch Krankenhaus-Textilien, in die keimtötende Substanzen integriert werden. Aber auch medizinische Unter-wäsche erwägen die Forscher: Die feuchtigkeitssensiblen Wirkstoffe, die nach und nach abgegeben werden, könnten beispielsweise einem Patienten mit einer großflächigen Hauterkrankung das stundenlage Liegen in einem Salbenbett ersparen oder die Behandlung eines Sonnenbrandes erleichtern.

Dr. Hans-Jürgen Buschmann, Jahrgang 1948, studierte zunächst in Hannover und danach in Göttingen Chemie, wo er 1977 promovierte. Nach mehreren Forschungsstipendien arbeitete er an der Universität-Gesamthochschule Siegen, bevor er 1988 in die Dienste des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West trat, wo er eine Arbeitsgruppe leitet. Der Verein der Textilchemiker und Coloristen verlieh ihm 1992 den Egon-Elöd Preis. Der 60-jährige Österreicher Dr. Dierk Knittel stammt aus Graz, wo er Chemie studierte und 1970 promovierte. Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten an der Kernforschungsanlage Jülich und am Institut für Physikalische Chemie der Universität Hamburg habilitierte er sich 1985 für Elektrochemie und arbeitet seit 1986 als Gruppenleiter im deutschen Textilforschungszentrum Nord-West. Professor Dr. Eckhard Schollmeyer, Jahrgang 1940, absolvierte eine Ausbildung zum Textil-Ingenieur, bevor er in Kiel Physik studierte. Von 1971 bis 1973 war er wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Chemie an der Universität Regensburg und in den Jahren 1973 bis 1980 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Chemiefasern der Institute für Textil- und Faserforschung Stuttgart. Er habilitierte sich 1978 für das Fach Physikalische Chemie an der Universität Stuttgart. 1980 trat er seine Arbeit am Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West an, wo er seit 1987 als geschäftsführender Direktor und Mitglied des Vorstandes tätig ist. Dem Wissenschaftlichen Rat der AiF gehört Schollmeyer seit 1990 an und er bekleidet zahlreiche weitere Ehrenämter. Für seine Arbeit erhielt er verschiedene Auszeichnungen, zuletzt den avantex-Innovationspreis 2000 in der Kategorie Forschung gemeinsam mit Dr. Hans-Jürgen Buschmann und Dr. Dierk Knittel für seine Arbeit an Cyclodextrinen.

AiF-Präsident Johann Wilhelm Arntz überreicht den Otto von Guericke-Preis anlässlich der diesjährigen Tagung des Wissenschaftlichen Rates der AiF am 28. November 2002 in Magdeburg. Die Auszeichnung würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der industriellen Gemeinschaftsforschung kleiner und mittlerer Unternehmen. Der 2. Platz ist mit 3.000 Euro dotiert.

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